Einige Daten zur (protestantischen) Kirchengeschichte Frankenthals

1119 — Am 1. Mai wird der Grundstein der Kirche St. Maria Magdalena des Augustiner-Chorherrenstifts Groß-Frankenthal gelegt.

Reich verziertes Portal

Portal der Kirche St. Maria Magdalena, wie es noch heute sichtbar ist

1125 — am 10. Mai wird der Grundstein der Klosterkirche St. Stephanus von Klein-Frankenthal gelegt.

1125 — am 12 Juni wird die Kirche St. Maria Magdalena durch Bischof Burchard von Worms eingeweiht

1163 — Chorherrenstift wird Abtei

1181 — am 12 Juni Weihe der neuen Kirche nach einem Brand am 9. April 1171

Steinmetzarbeiten: Vielfältige Verzierungen und ein vogelartiges Wesen

Detailansicht der Steinmetzarbeiten im Portal

13. Jh. — zu Beginn wird noch am Langhaus gebaut

1276 — Augustiner-Chorherrenstift wird mit dem Augustinerkonvent Hörningen verbunden.

13. Jh. — eine kostbare Bibliothek entsteht (Reste davon heute in Heidelberg, Rom und London)

14Jh. — der Lettner wird eingebaut

1468 — das Chorherrenstift wird dem (strengen) Konvent der Windesheimer Kongregation unterstellt, die Abtei wird Priorat; Besitztümer: Dorf Frankenthal, Mörsch, halb Eppstein, Güter in Oggersheim, Oppau, Edigheim, Mörsch, Dirmstein.

1529 — im Bauernkrieg wird das Stift von Dirmsteiner und Bockenheimer Bauern geplündert

1562 — Chorherrenstift wird aufgelöst und gegen Gehalt für den letzten Prior an Kurfürst Friedrich III. den Frommen überlassen.

1562 — am 5. Juni landen 60 Familien niederländischer Glaubensflüchtlinge aus Frankfurt in zwei Schiffen in Roxheim unter der Führung ihres Predigers Piet Daets oder Daten, Petrus Dathenus, Pfarrer in Frankenthal 1562-1566, die erste reformierte, niederdeutsche (oder niederländische, flämische, holländische) Gemeinde entsteht, die Stiftskirche wird ihr überlassen, die Gemeinde besteht bis 1689

1570 — das Wappen taucht auf: ein Eckstein in Gold auf rotem Schild mit dem Wahlspruch „Deus petra nostra angularis“ (Gott ist unser Eckstein)

1571 — Ein Religionsgespräch mit den Wiedertäufern findet statt

1577 — am 29. Oktober verleiht Pfalzgraf Johann Casimir Frankenthal die Stadtrechte

1578 — 36 wallonische Familien mit 72 Seelen, aus Heidelberg durch Kurfürst Ludwig IV. ausgewiesen, werden in Frankenthal angesiedelt, eine zweite, die wallonische (oder französische) Gemeinde entsteht, sie benutzen die Abteikirche mit.

1583 — nach Zuwanderung von Einwandern aus Westfalen wird eine hochdeutsch-reformierte Gemeinde durch Johann Casimir gegründet, eine Kirche wird in der Ludwigsstraße (Ecke August Bebel/Elisabethstraße) gebaut

1618 — eigene Kirche der wallonischen Gemeinde in der (danach benannten) Wallonenstraße

1623 — die evangelischen Kirchen werden unter der spanischen Besatzung der Stadt gewaltsam für katholische Gottesdienste geöffnet

1632 — Besetzung der Stadt durch Schweden, später erneut durch Spanien

1651 — Abzug der Spanier (und der Augustiner und Kapuziner); die sich wieder sammelnde wallonische Gemeinde feiert Gottesienst im Schulraum, da die wallonische Kirche eine Ruine ist

1685 — erneute Ansiedlung von Kapuzinern

1686 — Lutherische Pfarrei errichtet, auch für Lutheraner aus Edigheim, Eppstein, Flomersheim, Heßheim, Mörsch, Oggersheim, Oppau und Studernheim, von Gerolsheim aus bedient.

1689 — Brand der Stadt, Zerstörung der Kirche, Plünderung der Stadt, die Kirche wird nicht mehr aufgebaut, Wallonen ziehen nach Hanau und Magdeburg, die Niederländische und die wallonische Gemeinde werden aufgehoben

1698-1708 — Simultane Nutzung der Abteikirche durch Reformierte (Schiff) und Katholiken (Chor)

1702 — eigene katholische Pfarrei errichtet, versehen von Kapuzinern; der Chor der Abteikirche wird bis 1708 benutzt, dann finden die Gottesdienste im Rathaus statt; Frankenthal zählt 1021 Einwohner: 559 Reformierte, 203 Lutheraner, 259 Katholiken

1705 — durch die Religionsdeklaration über die Kirchenteilung erhält die neu gesammelte wallonische Gemeinde die frühere deutsch-reformierte Kirche, allerdings als Ruine, sie ersetzt sie durch einen Schulsaal, baut später, 1768, die wallonische Kirche wieder auf; die lutherische Gemeinde erhält die hochdeutsch-reformierte Kirche zugewiesen, wenige Jahre später zugunsten des Neubaus der Kirche St. Bartolomäus aufgegeben; die hochdeutsch-reformierte Gemeinde erhält die bisherige wallonische Kirche, muss sie aber an die Wallonen abtreten, baut dann den Chor der zerfallenen Abteikirche wieder auf

1706-12 — die lutherische Kirche St. Bartholomäus wird errichtet, am 24. August 1712 eingeweiht

1708 — die Reformierten sind im Alleinbesitz der Abteikirche

1709-32 — die katholische Kirche St. Dreifaltigkeit wird am Marktplatz errichtet

1710 — die wallonische Gemeinde ersteht wieder

1718 — die Klosterkirche St. Felix des Kapuzinerkonvents wird eingeweiht

1724 — der Turm der Abteikirche wird im Zug der Wiederaufbaus nach der Zerstörung 1689 vollendet

1768 — die frühere wallonische Kirche wird wiederhergestellt

1785 — in der Stadt wohnen 3880 Menschen

1802 — der Kapuzinerkonvent wird von den Franzosen aufgehoben, später werden die Gebäude von der Heil- und Pflegeanstalt benutzt

1815 — die wallonische Gemeinde wird aufgelöst, die Kirche wird versteigert

1818 — die Reformierten und Lutheraner vereinigen sich zur “vereinigten protestantisch-evangelisch-christlichen Kirche”, die Lutherische Pfarrei wird erste, die hochdeutsch-reformierte zweite Pfarrei.

1820-23 — die große protestantische Stadtkirche wird nach Plänen von Mattlener, einem Schüler des karlsruher Baumeisters Friedrich Weinbrenner errichtet, dazu wird der Chor der Abteikirche mit Ausnahme des Lettners abgetragen

1888 — ein Stadtvikariat wird eingerichtet

1932 — auf die Westwand in der protestanischen Kirche wird ein Gemälde von Hermann Sauter, Landau, aufgebracht: die Himmelfahrt Christi

1943 — am 23. September werden die Innenstadtkirchen beim Bombenangriff auf Frankenthal zerstört; der protestantische Gottesdienst findet im Missionshaus in der Vierlingstraße statt, die Konfirmationen in St. Ludwig

1950-52 — Wiederaufbau der protestantischen Kirche, am 16. März 1952 als Zwölf-Apostel-Kirche eingeweiht

Entwurf für den Wiederaufbau der Zwölf-Apostel-Kirche von Georg Pick

Entwurf für den Wiederaufbau der Zwölf-Apostel-Kirche von Georg Pick

1952-1960 — Einbau der Kemper-Orgel mit 43 Registern

1960 — nach Abriß der Ruine der kleinen Kirche wird dort das Gemeindehaus errichtet, “Dathenushaus” genannt

1993 — Renovierung des Dathenushauses

1995 — Innenrenovierung der Zwölf-Apostel-Kirche

1998 — Einweihung der neuen Kindertagesstätte am Rheintor. Das alte Kindergartengebäude am Europaring wird verkauft.

1999 — Beschluss über die Erneuerung der Orgel, der Auftrag wird an die Firma Link in Giengen an der Brenz vergeben

2001 — Am 3. Advent wird die neue Link-Orgel mit 41 Registern in Dienst gestellt.

2002 — Außenrenovierung: Die Zwölf-Apostel-Kirche erstrahlt nun in klassizistischem Gelb. Im Eingangsbereich wurde durch eine Glaswand vor der zweiten Säulenreihe ein Foyer geschaffen.

2003 — 28. September. In einem Festgottesdienst mit Kirchenpräsident Cherdron und Oberbürgermeister Wieder wird die Fertigstellung der Kirche gefeiert

Nach gedruckten Quellen (Anna Maus, Die Geschichte der Stadt Frankenthal, 1970; Ernst Kohlmann, Festschrift zur Einweihung der Zwölf-Apostel-Kirche, 1952; Georg Biundo, Pfälzisches Pfarrer- und Schulmeisterbuch, 1930; Artikel, u. A. von August Hussong, in: Frankenthal einst und jetzt) zusammengestellt
November 2002, Dr. Werner Schwartz und Martin Henninger, M.Th.